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Was verstehen wir unter Gewalt?
- Niemand hat das Recht, dir Angst einzujagen oder dir
weh zu tun. Auch nicht, wenn er oder sie stärker und/oder älter
ist als du.
- Niemand darf von dir verlangen, dass du über ein
komisches Erlebnis nicht sprechen sollst. Lass dich auch durch Drohungen
nicht davon abhalten, mit jemandem, dem du vertraust, über das
Erlebnis zu reden.
- Wenn du traurig bist oder dir etwas Schlimmes passiert
ist, dann darfst und sollst du mit jemandem darüber sprechen. Es
geht dir dann besser.
- Auch wenn du noch ein Kind, Jugendliche oder Jugendlicher
bist, darfst du sagen, was du denkst und wie du dich fühlst, was
du möchtest oder nicht.
- Wenn du in Not bist oder du jemanden kennst, der in
Not ist, oder ihr euch schlecht fühlt, dann gibt es immer eine
Person, die dir helfen kann. Du darfst und sollst dir Hilfe holen!
- Wenn Erwachsene oder Jugendliche deine Grenzen missachten:
dich überreden oder bedrohen, um dich berühren oder zu sexuellen
Handlungen zwingen zu können, so nennen wir das sexuelle Gewalt.
Viele von uns stellen sich vor, dass es unbekannte Fremde sind, die
sexuelle Gewalt ausüben. Dabei kennen betroffene Mädchen,
Buben, junge Frauen und Männer den Täter meistens und haben
oft sogar besonderes Vertrauen zu ihm: er ist z. B. ein Freund der Familie,
der Stiefvater, ein Lehrer oder Sporttrainer, ein Onkel, der Freund
des Bruders oder auch eine Frau (Nachbarin, Sporttrainerin etc.). Manche
Leute glauben, dass betroffene Mädchen und Buben den Täter
verführt oder provoziert haben. Doch auch wenn du am Anfang mitgemacht
hast, liegt die Verantwortung für das, was passiert ist, einzig
und alleine beim Täter. Wenn dich etwas bedrückt oder du etwas
Unangenehmes erlebt hast, melde dich bei uns:
TRIANGEL Tel. 061 205 09 10 oder triangel@opferhilfe–bb.ch
Wer kann dir helfen?
Darüber zu sprechen, dass dich jemand
körperlich, seelisch oder sexuell misshandelt, ist
schwierig und braucht viel Mut. Versuche trotzdem, Leute zu finden,
die dir zuhören und dich unterstützen. Möglicherweise
wendest du dich auch lieber an eine Beratungsstelle oder Hilfseinrichtung,
z.B. an TRIANGEL. Dort wirst du
ernst genommen, und es wird mit dir zusammen nach Möglichkeiten
gesucht, wie du in deiner Situation unterstützt werden kannst.
Wichtig zu wissen ...
Die folgenden sieben Punkte zeigen dir, was du wissen musst, um sexuelle
Gewalt klarer erkennen und dich besser davor schützen zu können:
- Über deinen Körper bestimmst du allein
Dein Körper ist einzigartig und wertvoll und du kannst stolz auf
ihn sein. Über deinen Körper entscheidest du allein und du
hast das Recht zu bestimmen, wie, wann, wo und von wem du angefaßt
werden möchtest. Dies gilt übrigens auch für Schmusen
und Sex mit Gleichaltrigen.
- Deine Gefühle sind wichtig
Deine Gefühle sagen dir, ob etwas in Ordnung ist für dich
oder nicht. Achte auf sie und vertraue ihnen. Unangenehme und seltsame
Gefühle zeigen dir, dass etwas nicht stimmt und dir nicht gut tut.
Rede über deine Gefühle, auch wenn es schwierige Gefühle
sind. Drücke deine Gefühle aus, auch wenn du denkst, dass
sie nicht zu dir passen.
- Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen
Es gibt Berührungen, die sich gut anfühlen und angenehm sind.
Es gibt aber auch solche, die unangenehm sind, weh tun oder Angst machen.
Solche Berührungen darfst du zurückweisen. Kein Erwachsener
hat das Recht, seine Hände unter deine Kleider zu stecken und dich
an deinem Penis oder deiner Vagina oder am Po zu berühren. Vielleicht
verlangt er/sie, so von dir berührt zu werden, wie du es nicht
willst. Dazu hat er/sie kein Recht, auch dann nicht, wenn du ihn/sie
kennst und gern hast.
- Du hast das Recht, NEIN zu sagen
Es gibt Situationen, in denen du spürst, dass du etwas nicht willst.
Dann darfst du NEIN sagen, denn du hast ein Recht darauf, dass deine
Grenzen respektiert werden. Das gilt vor allem dann, wenn es um dich
persönlich, um deinen Körper und deine Intimität geht.
Überlege mit anderen zusammen, in welchen Situationen es besser
sein kann, nicht zu gehorchen.
- Es gibt gute und schlechte Geheimnisse
Es gibt gute Geheimnisse, die Freude machen und spannend sind, z.B.
wenn du einen Freund oder eine Freundin mit einem Geschenk überraschen
willst. Schlechte Geheimnisse bedrücken und machen Kummer, sie
fühlen sich schwer und unheimlich an. Oft versucht ein Täter/eine
Täterin sein/ihr Opfer daran zu hindern, sich jemandem anzuvertrauen
und zwingt es, das Geheimnis zu wahren. Solche Geheimnisse solltest
du unbedingt weiter sagen, auch wenn du versprochen hast, es nicht zu
tun. Das hat nichts mit Petzen oder Vertrauensbruch zu tun.
- Sprich darüber und suche Hilfe
Wenn dich etwas bedrückt oder du etwas Unangenehmes erlebt hast,
so suche dir eine Person, der du vertraust und rede mit ihr darüber.
Überlege dir, mit welchem Menschen du über schwierige Dinge
reden kannst und willst. Das kann ein Anfang sein, Hilfe zu finden.
Manchmal musst du zu mehreren Personen gehen, bevor dir eine glaubt
und bereit ist, dir zu helfen. Lass dich nicht entmutigen. Du hast das
Recht auf Unterstützung, auch wenn du lange keine Hilfe geholt
hast, dem Täter/der Täterin zuliebe oder weil du dich geschämt
hast.
- Du bist nicht schuld
Wenn du es erlebst oder erlebt hast, dass ein Erwachsener deine Grenzen
verletzt oder dich sexuell ausbeutet, so bist du nicht schuld. Egal,
ob du versucht hast, dich zu wehren oder nicht. Der Täter/die Täterin
behauptet oft das Gegenteil, doch er/sie trägt immer die Verantwortung
für das, was er/sie dir angetan hat.
(Copyright Text „Wichtig zu wissen...“:
Limita Zürich, Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung
von Mädchen und Jungen, Bertastrasse 35, 8003 Zürich, 01
450 85 20)
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