Die Anlaufstelle für Gewaltbetroffene.

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 Die Anlaufstelle für Gewaltbetroffene.

Mann sein – Opfer sein

 

Fakten und Zahlen

Es ist eine Realität in unserer Gesellschaft, dass Männer von Gewalt betroffen sind. Nimmt man die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), also jene Gewalttaten, welche der Polizei bekannt werden, dann sind sogar mehr Männer als Frauen von Gewalt betroffen. Der weitaus grösste Teil dieser Männer erleidet eine minderschwere Gewalttat ausserhalb der Paarbeziehung. Darunter fallen insbesondere Tätlichkeiten, Körperverletzungen und Raubüberfälle. In den Statistiken zu häuslicher und sexueller Gewalt findet man hingegen deutlich höhere Zahlen bei den weiblichen als bei den männlichen Opfer. Gerade hier dürfte die Dunkelziffer aber besonders hoch sein.

Aus den Zahlen der Opferhilfestatistik (OHS) geht ein grundsätzlich anderes Bild hervor: Weit mehr Frauen (über 70%) als Männer, welche von Gewalt betroffen sind, suchen Hilfe bei einer Beratungsstelle der Opferhilfe.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Es gibt viele Beratungsstellen, welche sich ausschliesslich an ein weibliches Klientel richten, aber kaum solche, welche sich explizit an Männer richten
  • Es gibt Unterschiede zwischen Mann und Frau beim Umgang mit einer erlittenen Gewalttat
  • Betroffene Männer sind in einem Rollenkonflikt

Das Dilemma

Dieser Rollenkonflikt zwischen dem Mann sein und dem Opfer sein macht es vielen betroffenen Männern schwer, mit einer erlittenen Gewalttat umzugehen und sich Hilfe zu holen. Tatsächlich besteht eine fast unüberwindbare Kluft zwischen dem gesellschaftlich noch immer verbreiteten Bild dessen, wie ein Mann sein soll und den Eigenschaften, welche einem Opfer zugeschrieben werden. Überspitzt formuliert: Entweder ist jemand ein Opfer oder er ist ein Mann.

Ein Mann ist aktiv, handlungsfähig, stark, beschützend, mutig, selbstbeherrscht, rational...

Ein Opfer ist hilflos, handlungsunfähig, schwach, passiv, emotional...

Bilder, die allzu oft nicht der Realität entsprechend und trotzdem in den Köpfen sind. Das hat Folgen.

Die Auswirkungen

Die Auswirkungen können sich sowohl beim Betroffenen, wie auch in den Reaktionen in seinem Umfeld und der Gesellschaft, zeigen.
Von Gewalt betroffene Männer neigen zu folgendem Verhalten:

  • Man(n) zeigt keine Schwäche
  • Hilfe kann nicht geholt resp. angenommen werden
  • Eine allfällige Traumatisierung muss geleugnet werden („something the man just dealt with“)
  • Die eigene Männlichkeit wird in Frage gestellt
  • Wut und Aggression
  • Abhängigkeiten

Handelt es sich bei der erlittenen Gewalt um ein Sexualdelikt, ist der Umgang damit besonders schwierig. Viele Männer haben Angst, schwul zu sein oder als schwul angesehen zu werden, sie vertragen keine Nähe mehr und haben grosse Schamgefühle.

Die Gesellschaft und das Umfeld neigen aufgrund des beschriebenen Dilemmas zu folgendem Umgang:

  • Betroffene werden überhört, übersehen, nicht wahr- oder ernstgenommen
  • Betroffene und ihre Reaktionen werden abgewertet oder lächerlich gemacht
  • Ihre Glaubwürdigkeit wird angezweifelt (besonders auch bei häuslicher oder sexueller Gewalt)
  • Die Tat und ihre Folgen werden bagatellisiert
  • Die Opfer werden zum Täter gemacht (Hilfsangebot aus präventiven Gründen)
  • Es gibt weniger Unterstützungsangebote für Männer
  • Männliche Opfer werden in den Medien kaum erwähnt

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